Über Sylvia Navarro
Sylvia Navarro, die unter ihrem Künstlernamen Irlanya arbeitet, ist Komponistin, Producerin und Singer-Songwriterin aus Fort Worth, Texas.
Als Musikerin und Co-Komponistin war sie für Bleeding Fingers Music an zahlreichen Projekten beteiligt, darunter Earth At Night In Color für Apple TV+, Alien Worlds für Netflix und Seven Worlds: One Planet für die BBC.
Zuletzt arbeitete sie gemeinsam mit Producer Jordan Suckley am Track „Ways of the World“. Das Projekt gewann die Unterstützung von Black Hole Recordings, dem niederländischen Label, das 1997 von Tiësto und Arny Bink gegründet wurde.
Sylvia zählt außerdem zu unseren Green Composers. Sie nutzt Solarenergie für ihren kreativen Prozess und reduziert so die Umweltauswirkungen ihrer Musikproduktion.
1. Erzähl uns ein wenig über dich und deinen bisherigen Weg in der Musik.
Ich sehe mich gern als jemanden, der sich nicht über eine einzelne Disziplin definieren lässt. Meine musikalische Reise begann mit Klavierunterricht nach der Suzuki-Methode. Später nahm mich mein Klavierlehrer, Mr. Marullo, unter seine Fittiche – mit Unterbrechungen, vom neunten bis zum 18. Lebensjahr. Ich sage „mit Unterbrechungen“, weil ich eine sehr eigensinnige Schülerin war und aus Selbstzweifeln ständig damit drohte, aufzuhören. Zum Glück hat er mich nie aufgegeben und mir nach unseren Unterrichtsstunden Raum gegeben, meine eigenen Kompositionen zu erkunden.
Singen war wahrscheinlich eine der ersten Formen, durch die ich gelernt habe, mich wirklich auszudrücken. Viele Jahre lang habe ich das jedoch für mich und meine Familie behalten. Ich war so schüchtern, dass ich Soloparts im Chor oder bei Schulproduktionen häufig anderen überließ, weil mir der Gedanke, vor Menschen zu singen, große Angst machte.
Rückblickend entstand ein großer Teil meines musikalischen Fundaments durch organisches Musizieren und Learning by Doing. Erst in der Highschool begann ich, Technologie in meine Kompositionen einzubeziehen. Von da an habe ich meine Fähigkeiten Schritt für Schritt weiterentwickelt.
An der Universität studierte ich Psychologie und Literatur. In meinen letzten vier Semestern konnte ich jedoch einen individuellen Studienplan zusammenstellen, der Film, Musik und Schreiben miteinander verband. Nach meinem Abschluss begann ich ein Masterstudium, verließ es aber bereits nach dem ersten Semester, als mir ein Praktikum bei Remote Control Productions angeboten wurde. Aus den ursprünglich geplanten fünf Wochen wurden mehrere Monate im Team von Henry Jackman.
Während dieser Zeit lud mich Anže Rozman ein, für einen seiner Scores zu singen. Das war eine der bereicherndsten Erfahrungen meiner bisherigen Karriere. Sie führte schließlich zu weiteren Möglichkeiten, Mentoring und einer Vollzeitstelle bei Bleeding Fingers Music.
Heute arbeite ich als freiberufliche Komponistin und Sängerin im Großraum Dallas–Fort Worth. Neben meiner Arbeit an Film-, TV- und Gaming-Projekten widme ich inzwischen mehr Zeit persönlichen Alben und eigenen Werken, die die Geschichten erzählen, die mir wichtig sind – inspiriert von meinem Glauben, der Geschichte und der Natur.
2. Wie sah das Creative Briefing für den neuen Markenfilm von Universal Production Music aus? Was war deine erste Reaktion – und wie hast du es musikalisch interpretiert?
Maddy Stevens kam mit dem Film auf mich zu, und ich habe mich wirklich darüber gefreut, dass Universal Production Music Nachhaltigkeit dabei so stark in den Mittelpunkt stellt. Oft denken wir gar nicht darüber nach, wie viel Energie Musikproduktion benötigt. Deshalb übersieht man leicht, wie viel durch alltägliche Gewohnheiten verschwendet werden kann. Selbst etwas so Einfaches wie Geräte eingeschaltet zu lassen, obwohl sie gerade nicht genutzt werden, hat Auswirkungen auf die Umwelt. Wenn wir ein wenig Komfort in unserem Workflow aufgeben können, um diese Verschwendung zu reduzieren, halte ich das für einen sinnvollen Kompromiss.
Am Briefing hat mich sofort die Herausforderung begeistert, die Hörer:innen durch vier unterschiedliche musikalische Welten zu führen und diese Reise trotzdem wie eine einzige zusammenhängende Geschichte wirken zu lassen. Da es zu diesem Zeitpunkt noch keine Bilder gab, arbeitete ich ausschließlich mit der schriftlichen Beschreibung. Das gab mir die Freiheit, mir zunächst vorzustellen, wie sich jede dieser Welten anfühlen könnte, bevor ich diese Ideen in Musik übersetzte.
Mein Ziel war es, mit dem Score nicht nur die Bilder zu begleiten, sondern die emotionale Reise zwischen ihnen zu tragen. Für mich ist das eines der spannendsten Dinge am Komponieren für Film: Musik kann einzelne Momente miteinander verbinden und daraus ein einziges, bedeutungsvolles Erlebnis schaffen.
3. Welche Themen, Emotionen und Werte des Rebrandings wolltest du einfangen – und wie hast du sie in den Track und das Album übersetzt?
Ein Thema, zu dem ich immer wieder zurückgekehrt bin, war kindliches Staunen. Es brauchte einen roten Faden. Mir war wichtig, dass die Musik uns an jene natürliche Neugier erinnert, mit der wir die Welt zum ersten Mal erleben – an einen Blick, der Schönheit, Bewegung und Klang wahrnimmt, ohne all das als selbstverständlich hinzunehmen.
Gleichzeitig wollte ich den ernsten Aspekt nicht ausblenden. Die Herausforderung bestand darin, eine Balance zwischen Verspieltheit und Verantwortung zu finden. Musikalisch bedeutete das, fantasievolle, entdeckungsfreudige Texturen mit geerdeten, menschlichen Momenten zu verbinden. Sie sollten sowohl unsere Nähe zur Natur als auch die Auswirkungen widerspiegeln, die wir auf sie haben.
Statt etwas übermäßig Dramatisches zu schaffen, sollte die Musik die Hörer:innen immer wieder dazu einladen, die Welt um sie herum neu zu entdecken.
4. Mit welchen drei Worten würdest du den Track des Markenfilms beschreiben – und warum?
Entdeckungsfreudig, weil sich die Musik kontinuierlich zwischen unterschiedlichen Klangwelten und Landschaften bewegt.
Verspielt, weil ich dieses Gefühl kindlicher Neugier bewahren wollte – und unsere Faszination für die Natur nicht verloren gehen sollte.
Und lebendig, weil auch der Film selbst voller Bewegung, Farbe und Energie steckt. Er feiert das Leben und die Vielfalt um uns herum – und damit letztlich all das, was wir schützen möchten.
5. Was sollten die Menschen fühlen, wenn sie den Markenfilm und seine Musik zum ersten Mal erleben?
Es ist immer schwierig vorherzusagen, wie jemand auf Musik oder Kunst im Allgemeinen reagieren wird. Ich hoffe aber, dass die Menschen sich in die Reise hineinziehen lassen. Sie sollen wahrnehmen, wie die Musik zusammenhängend von einer Idee zur nächsten übergeht – und dass sie sich trotz der sorgfältigen Produktion weiterhin menschlich und organisch anfühlt. Darin liegt für mich auch der Kern und das Herzstück des Ganzen.
Interessanterweise war dies eines der ersten Projekte, bei denen ich genau das tun sollte, was mir am natürlichsten liegt: viele unterschiedliche musikalische Ideen innerhalb einer einzigen Reise miteinander zu verbinden. Es fühlte sich wie Zuhause an.
Wenn die Musik dazu führt, dass jemand die Schönheit und das Staunen in der Welt wieder bewusster wahrnimmt, würde mich das sehr glücklich machen.
6. Hast du einen festen kreativen Prozess beim Komponieren?
Meist beginne ich am Klavier, mit meiner Stimme oder mit meinen Mallets – mit etwas, das sich unmittelbar und greifbar anfühlt. Der Computer ist tatsächlich der letzte Ort, an den ich gehe, besonders heute.
Bevor ich überhaupt mit den Aufnahmen beginne, denke ich meine Ideen gern beim Spazierengehen durch – vor allem morgens und abends. Diese Spaziergänge sind inzwischen ein wichtiger Teil meines kreativen Prozesses. Selbst bei engen Deadlines die nötige Flexibilität zu finden, um diese Zeit zu schützen, ist für mein körperliches und mentales Wohlbefinden entscheidend.
Darüber hinaus gibt es keine feste Formel. Jedes Projekt entwickelt sich anders, und genau das liebe ich am Komponieren. Jeder Score zeigt mir eine neue Art zuzuhören und kreativ zu arbeiten.
7. Was bedeutet es dir, den Soundtrack für eine Marke wie Universal Production Music zu schaffen, die Storyteller:innen auf der ganzen Welt unterstützt?
Zunächst einmal ist es eine große Ehre, zu etwas beizutragen, das Storyteller:innen weltweit unterstützt. Für mich ist das eines der größten Privilegien des Komponierens: Musik zu schaffen, die dabei hilft, die Vision eines anderen Menschen zum Leben zu erwecken.
Als ich eingeladen wurde, an diesem Projekt zu arbeiten, fühlte es sich an, als würde alles ganz natürlich zusammenfinden. Die Botschaft des Films entsprach meinen eigenen Werten rund um Nachhaltigkeit so sehr, dass sich nichts daran erzwungen anfühlte.
Als Künstler:innen hoffen wir alle, dass unsere Arbeit zu etwas beitragen kann, das größer ist als wir selbst. Zu wissen, dass diese Musik vielleicht einen kleinen Teil dazu beiträgt, Menschen zu positivem Handeln zu inspirieren, hat die Erfahrung für mich unglaublich erfüllend gemacht.
8. Was sollen Kund:innen, Komponist:innen und Kreative aus der Musik mitnehmen, wenn sie den neuen Markenfilm erleben?
Der Film erinnert uns daran, dass jenseits unserer Screens eine viel größere Welt existiert – eine Welt, die uns ständig inspiriert und um die es sich zu kümmern lohnt.
Die Natur besitzt einen unglaublichen Sinn für Ordnung, ohne dabei jemals starr oder mechanisch zu sein. Ich hoffe, die Musik erinnert die Menschen daran, dass Natur zugleich bewusst gestaltet und lebendig wirkt.
Das wollte ich musikalisch widerspiegeln, indem ich den Score atmen und sich auf natürliche Weise entwickeln ließ, anstatt ihn zu stark programmiert wirken zu lassen. Wenn die Hörer:innen anschließend mit neuer Neugier und größerer Wertschätzung auf die Welt um sie herum blicken, würde mich das sehr freuen.
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